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Mit „Marte Meo“ Entwicklung von Kindern unterstützen

LWL-Klinik Marl-Sinsen: Weiterbildung zur Coaching-Methode für Familie und Beruf

Als Loris mit Elke Stein (Name geändert) in die Marler Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie im Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) kommt, ist schnell klar, dass der Dreieinhalb-Jährige in seiner Entwicklung nicht auf einem altersgerechten Stand ist. Loris hat bereits sehr viel Zeit seines jungen Lebens in Isolation mit seiner alleinerziehenden Mutter verbracht. Corona machte es nötig. Diese Abgeschiedenheit, ohne gleichaltrige Spielkameraden oder andere Kontakte hat seine Entwicklung signifikant verzögert. Loris spricht nur wenig, weiß nicht, wie er auf andere Kinder zugehen, mit ihnen spielen soll und hat große Angst, sich von seiner Mutter zu trennen. Das macht einen Besuch im Kindergarten nahezu unmöglich.

Auf der Eltern-Kind-Einheit erhalten Mutter und Sohn kompetente Hilfe. Dazu gehört auch ein Marte-Meo-Coaching. Ilona Betker, Heilpädagogin und Marte-Meo-Supervisorin bietet dieses Coaching in der Marler LWL-Fachklinik bereits seit 2015 an. Gemeinsam mit ihrem Kollegen Oliver Kucklinski führt sie ebenfalls Weiterbildungen für Fachkräfte und Interessierte zum Thema Marte Meo (Latein, heißt auf Deutsch soviel wie. „aus meiner eigenen Kraft“) durch. In einem kurzen Interview erklärt sie, worum es bei diesem Coaching geht und wo man es erlernen kann.

Frau Betker, was ist Marte Meo?
Ilona Betker: Marte Meo ist eine (videobasierte) Methode, um Menschen in ihrer Entwicklung zu unterstützen. 

Was unterscheidet Marte Meo von anderen Coaching-Methoden?
Ilona Betker: Marte Meo legt den Fokus ausschließlich auf positive Aspekte in der Entwicklung und setzt hier mit der Förderung an. Dazu werden zum Beispiel Kinder untereinander oder im Kontakt mit ihren Eltern, Erzieher: innen gefilmt und anschließende positive Aspekte in der Entwicklung herausgefiltert, mit dem Ziel, diese mit Hilfe der Erzieher: innen oder Eltern weiterzuentwickeln, einen Entwicklungsauftrag zu geben.

Wie können Entwicklungen angestoßen werden?
Ilona Betker: Zum Beispiel, indem ich meine Handlungen und die des Kindes benenne, wenn eine Situation das Einhalten von Regeln erfordert: “Ich nehme jetzt das Messer und schneide diesen Apfel in kleine Stücke“ und „Du nimmst den Löffel und rührst den Obstsalat um.“ Diese Kommunikation gibt dem Kind Sicherheit und fördert auch die Sprachfähigkeit.

Geht es immer nur um die Entwicklung von Kindern und ihren Eltern?
Ilona Betker: Nein, es kann auch darum gehen, einer Erzieherin oder einem Erzieher im Kindergarten zu zeigen, in welchen Situationen er oder sie schon sehr gut auf die Bedürfnisse des Kindes eingeht, und wo er oder sie sich noch verbessern kann. 

Braucht es zwingend eine Videoaufnahme?
Ilona Betker: Nein, Marte-Meo-Praktiker- oder Therapeut: innen können eine Situation auch anschauen, im anschließenden Gespräch mit den Beteiligten positive Aspekte benennen und einen Entwicklungsauftrag geben. 

Wie werde ich Marte-Meo-Praktiker oder -Therapeut: in?
Ilona Betker: Es gibt unterschiedliche Institute, die diese Weiterbildung anbieten. In der LWL-Klinik Marl-Sinsen bieten wir eine entsprechende Weiterbildung seit 2015 an. Im kommenden Februar 2022 startet ein neuer sechstägiger Kurs zum Marte-Meo-Praktiker.

Wer kann an dieser Weiterbildung teilnehmen?
Ilona Betker: Eigentlich jede(r), der oder die sich für dieses Thema interessiert und in Kontakt mit Menschen steht, wie Erzieher: innen, Sozialarbeiter: innen, Pflegeeltern, Lehrer:innen, Heilerziehungspfleger:innen, aber auch andere Interessierte.

Wo kann ich weitere Infos bekommen oder mich direkt anmelden?
Ilona Betker: Mein Kollege Oliver Kucklinski steht für Fragen und Anmeldungen zur Verfügung, unter oliver.kucklinski@lwl.org oder Tel.: 02365 802 2310.

 

Bildunterschrift: Bieten in der LWL-Klinik Marl-Sinsen ein Marte-Meo- Coaching und eine Weiterbildung an: Ilona Betker und Oliver Kucklinski. Bild: LWL/Seifert